29.06.2020 von Benjamin Kircher

Onlinehandel in Zeiten von Corona - Teil 4

Der Corona-Lockdown neigt sich langsam dem Ende entgegen und die verschärften Vorsichtsmaßnahmen werden bundesweit immer weiter gelockert, aber der Weg zur Normalität ist noch ein sehr langer. Die Nachfrage im Onlinehandel ist laut aktuellen Statistiken zwar seit der Corona-Pandemie gestiegen, dennoch hält sich die Kauflaune auf den gesamten Handel gesehen eher zurück und Konsumenten geben immer noch deutlich weniger Geld aus. Aus diesem Grund beschloss die Bundesregierung die Mehrwertsteuer ab dem 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 zu senken, um dadurch die Konjunktur in Deutschland wieder anzukurbeln. Für Händler jedoch, geht diese Maßnahme mit sehr viel Aufwand für ein halbes Jahr einher.

 

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Was die Mehrwertsteuersenkung für den Handel bedeutet

Ab dem 1. Juli 2020 wird der Mehrwertsteuersatz einheitlich bis zum 31. Dezember 2020 gesenkt. Die bisher geltenden Steuersätze von 19% sowie 7% (z.B. für Lebensmittel) werden auf 16% bzw. 5% gesenkt. Mit der am 3. Juni beschlossenen Konjunkturmaßnahme möchte die Regierung die Binnennachfrage stärken und bei den Konsumenten Kaufanreize schaffen. Der daraus resultierende Gewinn soll der Handel mit niedrigeren Preisen direkt an seine Kunden weitergeben.

Da für die Umsetzung der kurzfristigen Senkung nur rund drei Wochen bleiben, stellt diese viele Händler vor großen Herausforderungen. Vor allem für den stationäre Einzelhandel bedeutete es sehr viel Arbeit. Dort müssen neben den technischen Änderungen auch noch sämtliche Kassensysteme umgestellt und alle Artikel umetikettiert werden. Je nach Größe des Unternehmens und technischer Zusammensetzung sind auf unterschiedlichen Ebenen Umstellungen nötig, wie zum Beispiel im ERP, im CRM, im Onlineshop, in der Finanzbuchhaltung und eben überall dort, wo Transaktionen ausgeführt werden und dem Finanzamt berichtet werden muss. Für reine Onlinehändler hingegen hält sich der Aufwand meist in Grenzen und die Änderungen können oft in nur wenigen Klicks erledigt werden.

Der Preiskampf im Handel wird sich durch die Senkung jedoch noch weiter verstärken. Sobald ein Händler den Preis sinkt, zieht der andere schnell nach. So könnte unter Umständen die Preissenkung mancher Artikel höher ausfallen als die eigentliche Steuersenkung. Sämtliche Preise müssen also unbedingt für jeden Artikel neu kalkuliert werden.

Eine weitere große Herausforderung bleibt die sehr kurze Vorlaufzeit und die Tatsache, dass die Mehrwertsteuer zum 31. Dezember rückgängig gemacht werden muss. Um nun auch auf Händlerseite von der Senkung profitieren zu können, sind hier clevere Marketingmaßnahmen gefragt. Es ist davon auszugehen, dass Konsumenten bei Alltagsgütern kaum Geld sparen werden, bei größeren Anschaffungen, wie zum Beispiel bei Möbeln oder Elektro-Großgeräten, wo ohnehin schon große Rabatte gelten, macht sich die Mehrwertsteuersenkung deutlicher bemerkbar. Um in diesen Bereichen den Konsum der Verbraucher anzukurbeln, sollten für bestimmte Zeiträume auf Produkte, Marken oder Waren punktuell Aktionen gewährt werden.

Dennoch bleibt abzuwarten, ob die Mehrwertsteuersenkung zu mehr Umsatz führt. Vor allem bleibt fraglich, ob Nonfood-Anbieter, die am stärksten von den Ausgangsbeschränkungen betroffen waren, den Mehrwertsteuereffekt an ihre Kunden weitergeben werden, da sie mit den Umsatzeinbußen zu kämpfen hatten. 

Der Einzelhandelsverband HDE geht davon aus, dass die Senkung ihre Wirkung vor allem im Herbst- und Weihnachtsgeschäft entfalten werde, da in jenen Monaten meist großvolumige Einkäufe getätigt werden. Positive Effekte einer solchen Maßnahme zeigte auch das Beispiel Großbritannien. Nach der Finanzkrise 2009 wurde dort ebenfalls die Mehrwertsteuer gesenkt. Dies hatte zu einem deutlichen Anstieg der Nachfrage geführt. Da allerdings die Steuer ab dem 1. Januar 2021 wieder auf dem Normalniveau sein wird, ist zu erwarten, dass im ersten Quartal 2021 der Konsum erneut einbrechen könnte.

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